Bücherlesen ist "in", zumindest unter pseudogebildeten Studenten. Alle wollen gern so tun, als wären sie belesen, oder als kannten sie sich super aus. Tatsache ist: Jede Woche werden tausende neuer Bücher auf den Markt geschwemmt - keiner kennt sich richtig gut aus.
Noch forciert wird der Hang, sich als intelligenter Leser zu präsentieren, durch das StudiVZ: Die Rubrik "Lieblingsbuch" zwingt den Studenten quasi dazu, irgendetwas schickes anzugeben, etwas das einen Hauch von Klugheit und Prestige versprüht.
Und weil Studenten eben doch dümmer sind, als der Durchschnittsdeutsche vermuten würde, finden sich unter "Lieblingsbücher" hauptsächlich Bücher, die man sich bequem im Kino anschauen kann - ist ja auch viel praktischer, sowas.
Es fing an mit Dan Brown, als ich vor Jahren seine Bücher gelesen habe, fand ich sie gut. Nicht besser als andere Verschwörungstheorien, aber nett zu lesen und spannend. Aber kaum gabs "Sakrileg" als Film waren alle auf einem fetten Dan Brown-Trip. Fürchterlich.
Dann gings weiter mit "Das Parfum". Als ich das Buch mit 15 das erste Mal gelesen habe, fand ich es großartig - so widerlich und abstoßend, dass man es einfach genial finden musste. Den Film fand ich auch nicht schlecht, obwohl Grenouille für meinen Geschmack viel zu hübsch war. Aber ich würde nie auf die Idee kommen, das Buch plötzlich als mein Lieblingsbuch zu bezeichnen.
Als nächstes das größte Verbrechen deutscher Filmkunst, "Vollidiot". Ich hab selten bei einem Buch so viel gelacht. Ich fand es perfekt, und um Meilen besser als "Resturlaub" und "Millionär" - derjenige, der Oliver Pocher für den Film gecastet hat, gehört erschossen! Simon Peters ist eben nicht nur ein Depp, der nichts auf die Reihe kriegt, sondern auch eine tragische Figur. Das ist Oliver Pocher zwar auch, aber eher im wahren Leben.
Irgendwie machen mir langsam aber sicher Filme die dazu passenden Bücher madig, das nervt. Noch mehr nerven die Menschen, die glauben, weil sie einen Film gesehen haben, kennen sie das Buch. Und Leute, die als Lieblingsbücher "Sakrileg", "Das Parfum" und "Vollidiot" angeben, sollten letzteren Titel lieber auf sich selbst beziehen.
Und was kommt als nächstes? Wird "Tintenherz" vom geschätzten Nebenbei-Buch zum Hassobjekt (obwohl Paul Bettany mitspielt, das müsste es eigentlich rausreißen! [OBWOHL - Paul Bettany hat auch im DaVinci-Code mitgespielt, das hats auch nicht besser gemacht!])? Was ist mit "Zusammen ist man weniger allein"? Ich liebe die Bücher von Anna Gavalda! Ich habe Angst!!
Insgesamt überleben nur wenige Bücher in meiner Achtung den passenden Film. "Sieben Jahre in Tibet" hat den Film überlebt, und "Matilda". Alle Jane Austen Bücher mag ich noch, und "Des Todes dunkler Bruder" & "Dunkler Dämon" überleben eine ganze Serie ("Dexter").
Warum ich das alles schreibe? Ich kann keine Harry Potter Bücher mehr toll finden, seit ich den ersten Film gesehen habe ...
Mittwoch, Juli 25, 2007
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1 Kommentare:
Du bringst es auf den Punkt.
Der Durchschnittstudent ist wirklich verdammt dämlich, aber viele Leute fassen nunmal Bücher nur an, wenn sie sie anfassen müssen.
Traurig...
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